"36 Boys": Wie eine Kreuzberger Gang in den 1980ern zur blutigen Legende wurde
Hans-Werner Röhricht"36 Boys": Wie eine Kreuzberger Gang in den 1980ern zur blutigen Legende wurde
Ein neues Buch erkundet den Aufstieg der „36 Boys“, einer berüchtigten Straßengang aus dem Berlin-Kreuzberg der 1980er-Jahre. Die Gruppe, gegründet von Jugendlichen auf der Suche nach Respekt und Zugehörigkeit, machte sich durch bedingungslose Loyalität und gewalttätige Auseinandersetzungen einen Namen. Ein ehemaliges Mitglied, Tim Raue, blickt heute auf seine Zeit in der Bande zurück – und auf die brutalen Aufnahmerituale, die er durchstehen musste.
Mit vierzehn bis sechzehn Jahren gehörte Tim Raue zu den „36 Boys“, einer Gang, die in Kreuzberg um Anerkennung kämpfte. Fehden mit rivalisierenden Gruppen eskalierten oft in blutige Schlägereien, bei denen die Mitglieder zwar unterlegen waren, sich aber niemals zurückzogen. Raue gibt zu, dass er manchmal vor den Kämpfen fliehen wollte – doch er wusste: Wer sich bewähren wollte, durfte keine Schwäche zeigen.
Besonders grausam war das Aufnahmeritual der Bande. Neue Kandidaten mussten sich drei Minuten lang gegen zwei bestehende Mitglieder behaupten. Raue hielt die volle Zeit nicht durch, bewies aber, dass er sich nicht unterkriegen ließ – trotz schwerer Prügel, deren Narben bis heute sichtbar sind.
Der Journalist Paul Christoph Gäbler hat die Geschichte der Gang in „36 Boys: Wie eine Kreuzberger Bande zur Legende wurde“ dokumentiert. Das Buch schildert, wie diese jungen Männer trotz ihrer gewalttätigen Vergangenheit später über ihre Erlebnisse reflektierten. Raue, der heute Gewalt ablehnt, versteht dennoch die Denkweise, die ihn einst zum Kämpfen trieb.
Die „36 Boys“ hinterließen Spuren in der Geschichte Kreuzbergs – ihre Geschichte ist nun in einem Buch festgehalten. Ehemalige Mitglieder wie Raue tragen bis heute körperliche und seelische Wunden aus dieser Zeit davon. Das Buch gewährt einen Einblick in eine Welt, in der Loyalität und Überleben oft einen hohen Preis hatten.






