Bergisch Gladbach kämpft mit 50-Millionen-Defizit und drohender Steuererhöhung
Sergio KarzBergisch Gladbach kämpft mit 50-Millionen-Defizit und drohender Steuererhöhung
Bergisch Gladbach steht vor ernsten finanziellen Herausforderungen: Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen bei Weitem. Stadtkämmerer Thore Eggert skizzierte die Lage kürzlich bei einem Workshop der BürgerAkademie und erläuterte, wofür das Geld ausgegeben wird – und warum schwierige Entscheidungen bevorstehen.
Das 500 Seiten starke Haushaltsdokument der Stadt, für Bürger oft nur schwer verständlich, weist für 2026 ein geplantes jährliches Defizit von rund 50 Millionen Euro aus. Eggert warnte, dass die Stadt ohne Gegenmaßnahmen einen Großteil ihrer finanziellen Handlungsfähigkeit verlieren könnte.
Beim Workshop zerlegte Eggert die Finanzstruktur der Stadt und die steigenden Ausgaben. Die größten Kostentreiber sind soziale Leistungen sowie wachsende Personalausgaben, die durch jüngste Lohnerhöhungen weiter in die Höhe getrieben werden. Diese Belastungen machen es der Stadt zunehmend schwer, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen.
Für 2026 hat Bergisch Gladbach 126 Millionen Euro für Investitionen eingeplant. Die Mittel fließen in Schulen, Straßen, Jugend- und Kindertageseinrichtungen sowie die Umgestaltung des Industriegeländes Zanders. Doch selbst mit diesen Vorhaben übersteigen die Ausgaben die Einnahmen deutlich.
Eggert schlug vor, die Grund- und Gewerbesteuern zu erhöhen, um jährlich zusätzliche 4 Millionen Euro einzunehmen. Ohne diese Anpassung droht der Stadt ein Haushaltssicherungskonzept, das strenge finanzielle Vorgaben mit sich bringt und ihre Entscheidungsfreiheit bei Ausgaben stark einschränkt.
Der Haushaltsprozess selbst hat durch die jüngsten Kommunalwahlen Verzögerungen erfahren. Normalerweise beschließt der Stadtrat den Finanzplan noch vor Jahresende – diesmal hat sich der Zeitplan jedoch verschoben.
Eggert, Mitglied der FDP, betonte, dass er als Kämmerer die Verwaltung vertritt und nicht eine politische Partei. Seine Priorität liege darin, Lösungen für die angespannte Haushaltslage zu finden.
Bergisch Gladbach steht nun vor der Wahl: Steuern erhöhen oder riskieren, die Kontrolle über die Finanzen zu verlieren. Die geplanten Steuererhöhungen sollen einen Teil der jährlichen 50-Millionen-Lücke schließen. Ohne Änderungen könnte die Fähigkeit der Stadt gefährdet sein, essenzielle Dienstleistungen und zukünftige Projekte zu finanzieren. Der Haushalt, sobald beschlossen, wird bestimmen, wie die Stadt ihre Ausgaben und Investitionen in den kommenden Jahren steuert.