Bundeswehr-Reformen: Pistorius setzt auf längere Grundausbildung und neue Wehrpflichtregeln
Gernot GertzBundeswehr-Reformen: Pistorius setzt auf längere Grundausbildung und neue Wehrpflichtregeln
Die deutsche Armee durchläuft tiefgreifende Reformen, um die Rekrutierung und Ausbildung zu stärken. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat ein neues Wehrpflichtmodell sowie ein verlängertes Grundausbildungsprogramm eingeführt. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die aktiven und Reservekräfte der Bundeswehr in den kommenden zehn Jahren deutlich auszubauen.
Am 10. November 2025 besuchte Pistorius die Lützow-Kaserne in Münster, um sich mit Rekruten auszutauschen und das neue Ausbildungssystem vorzustellen. Fast 200 Freiwillige durchlaufen dort derzeit die überarbeitete sechsmonatige Grundausbildung. Rund 120 von ihnen – also 60 Prozent – stammen aus der Region Münsterland oder Westfalen.
Das aktualisierte Programm, das am 1. Juli 2025 eingeführt wurde, ersetzt das bisherige dezentrale System. Nun absolvieren alle Soldatinnen und Soldaten ihre Ausbildung an mehreren Standorten in Deutschland, folgen jedoch einem einheitlichen Lehrplan. Verlegungen zwischen Kasernen entfallen, sodass jeder Rekrut vor der Spezialisierung das gleiche Ausbildungsniveau erreicht.
Parallel dazu sieht Pistorius' Entwurf für ein Wehrpflichtgesetz vor, dass alle 18-Jährigen einen Online-Fragebogen ausfüllen, um ihr Interesse am Wehrdienst zu prüfen. Der Verteidigungsausschuss des Bundestags debattierte den Plan am selben Tag wie Pistorius' Besuch. Thomas Röwekamp, der CDU-Vorsitzende des Ausschusses, befürwortet eine flächendeckende Erfassung, um mehr junge Menschen für die Landesverteidigung zu gewinnen.
Langfristig strebt die Bundeswehr an, die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten auf 260.000 zu erhöhen und die Reserve auf 200.000 zu verdoppeln – und das bis 2035. Während seines Besuchs sprach Pistorius auch mit Angehörigen des Heimatschutzregiments und betonte die Notwendigkeit einer schlagkräftigeren und besser vorbereiteten Armee.
Die Reformen markieren einen Wandel in Deutschlands Herangehensweise an Rekrutierung und militärische Ausbildung. Mit standardisierter Grundausbildung und einer breiter angelegten Wehrpflichtinitiative will die Bundeswehr eine größere und leistungsfähigere Truppe aufbauen. Die vollen Auswirkungen der Änderungen werden sich in den kommenden Jahren zeigen, wenn immer mehr Rekruten das neue Programm durchlaufen.






