Ein goldener Kelch statt Maßkrüge: Der stille Gottesdienst mitten im Oktoberfest-Trubel
Gernot GertzEin goldener Kelch statt Maßkrüge: Der stille Gottesdienst mitten im Oktoberfest-Trubel
Jedes Jahr in der ersten Woche des Münchner Oktoberfests findet im Marstall-Zelt ein ungewöhnliches Ereignis statt. Während sonst Bierkrüge das Bild prägen, rückt diesmal ein goldener Kelch in den Mittelpunkt. Der Wiesn-Gottesdienst verbindet Tradition mit Feststimmung und bietet einen seltenen Moment der Besinnung mitten im Trubel.
Der Gottesdienst beginnt mit einem Halleluja, das von der Bühne erklingt, auf der sonst die Königlich Bayerische Vollgas-Orchester spielt. Statt jubelnder Rufe steht das Publikum auf und singt Lobet den Herren! – ein bemerkenswerter Kontrast zur üblichen Oktoberfest-Atmosphäre. Nur sechs Männer sitzen mit Getränken da und teilen sich Wein aus einem einzigen goldenen Kelch.
Eine Stimme am Mikrofon spricht: "Und führe uns nicht in Versuchung…" Die Szene wirkt surreal – ein Gottesdienst ohne Kirche, abgehalten in einem Zelt ohne Dorfplatz. Doch für einen Morgen wird das Marstall-Zelt zu einem Ort der Andacht.
Diese Tradition ist Teil eines größeren Trends. 2025 veranstalteten über 520 deutsche Städte und Gemeinden ähnliche Feiern, bei denen lokale Feste mit religiösen Bräuchen verschmelzen. Doch der Wiesn-Gottesdienst bleibt einzigartig – tief verwurzelt im Herzen des Oktoberfests.
Er sticht als ruhiges Spektakel aus dem Festtrubel hervor. Ein Gemeinschaftserlebnis, bei dem Glaube und Feierlaune für einen Moment zusammentreffen. Für die Besucher im Zelt ist es eine Stille, bevor die Bierbänke wieder gefüllt werden.






