Erster Castor-Transport erreicht Ahaus – Proteste und massive Polizeipräsenz
Gernot GertzErster Castor-Transport erreicht Ahaus – Proteste und massive Polizeipräsenz
Ein Castor-Behälter mit atomarem Abfall erreichte am frühen Mittwochmorgen das Zwischenlager im nordrhein-westfälischen Ahaus. Der Transport, der Teil eines größeren Plans zur Verlegung von 152 Containern ist, wurde von Demonstranten begleitet, die sich vor der Anlage versammelten. Die Polizei meldete keine Zwischenfälle während des Einsatzes, an dem 2.400 Beamte und Spezialeinheiten beteiligt waren.
Der Konvoi verließ das Forschungszentrum Jülich gegen 10 Uhr und legte eine Strecke von 170 Kilometern durch Nordrhein-Westfalen zurück. Organisiert von der Aktivistin Hanna Poddig, säumten Protestierende die Route und forderten ein Ende solcher Transporte, bis ein Endlager eingerichtet ist. Poddig bezeichnete den Auftakt der Demonstration später als erfolgreich und hofft auf weitere Aktionen bei künftigen Lieferungen.
Die Polizei setzte Strahlenschutzteams, Anti-Drohnen-Abwehr und Spezialkräfte ein, um den Transport abzusichern. Die Münsteraner Polizeichefin Alexandra Dorndorf bestätigte, dass die Operation ohne Störungen verlief. Patrick Schlüter, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in der Region, kritisierte jedoch den Zeitpunkt und verwies auf überlastete Sicherheitskräfte.
Innenminister Herbert Reul deutete an, dass sich durch wiederholte Transporte – bis zu drei gleichzeitig – mit der Zeit ein "Gewöhnungseffekt" einstellen könnte. Oppositionsparteien wie SPD und Die Linke verurteilten die Lieferungen scharf. Der aktuelle Plan sieht vor, rund 300.000 Brennelemente aus dem ehemaligen AVR-Reaktor in Jülich nach Ahaus zu verbringen. In früheren Diskussionen waren auch Standorte wie Brokdorf und Transportrouten entlang großer Autobahnen im Gespräch.
Der erste der 152 geplanten Castor-Behälter ist nun in Ahaus eingetroffen. Die Behörden rechnen mit weiteren Transporten, während Protestierende und Kritiker weiterhin nach Alternativen drängen. Umfang und Sicherheitsvorkehrungen des Einsatzes unterstreichen die anhaltenden Herausforderungen der Atommüllentsorgung in Deutschland.






