08 June 2026, 02:15

Historischer Frauenstreik 1973: Wie Migrantinnen bei Pierburg für Gleichberechtigung kämpften

Wenn Frauen ihre Chefs auf die Knie zwangen

Historischer Frauenstreik 1973: Wie Migrantinnen bei Pierburg für Gleichberechtigung kämpften

Im August 1973 brach im Pierburg-Werk in Neuss ein historischer Streik aus. Arbeiterinnen – viele von ihnen Migrantinnen aus verschiedenen europäischen Ländern – legten die Arbeit nieder und forderten faire Löhne sowie gleiche Behandlung. Ihr Protest sorgte schnell für landesweite Aufmerksamkeit und Unterstützung.

Der Streik begann am 13. August, als etwa 20 Frauen ihre Arbeit niederlegten. Innerhalb weniger Tage schlossen sich Hunderte an und demonstrierten unter dem Motto „Eine Mark mehr!“. Die Frauen wurden nach dem Tarif „leichte Arbeitsgruppe 2“ bezahlt, obwohl sie dieselben Aufgaben wie ihre männlichen Kollegen erledigten.

Zunächst ging die Polizei gegen die Proteste vor; es gab Berichte über rassistische Beleidigungen durch einen Beamten. Doch die Arbeiterinnen ließen sich nicht einschüchtern. Bis zum 17. August boten die Arbeitgeber eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig an und willigten ein, die diskriminierende Lohnkategorie abzuschaffen.

Der Streik markierte einen Wendepunkt in der deutschen Arbeitsgeschichte. Es war einer der ersten Fälle, in denen sich männliche Kollegen solidarisch mit Arbeiterinnen zeigten. Künstler wie Joseph Beuys und Beschäftigte aus anderen Städten unterstützten die Proteste. Nach dem Erfolg bei Pierburg wurde die „leichte Arbeitsgruppe 2“ bundesweit abgeschafft.

Die Belegschaft bei Pierburg bestand überwiegend aus Frauen, darunter viele Migrantinnen aus Italien, Spanien und Jugoslawien. Ihre Geschlossenheit zwang die Arbeitgeber, den Forderungen nachzugeben, und setzte ein Beispiel für spätere Arbeitskämpfe.

Der Pierburg-Streik endete mit einem Erfolg: Die Arbeiterinnen erreichten bessere Löhne und beendeten die geschlechtsspezifische Lohndiskriminierung. Kurz darauf wurde die „leichte Arbeitsgruppe 2“ in ganz Deutschland abgeschafft. Der Protest bleibt ein Meilenstein für Arbeiterrechte und Solidarität im Land.

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