Humboldt Forum: Zwischen prunkvollem Palast und gesellschaftlicher Debattenbühne
Hans-Werner RöhrichtHumboldt Forum: Zwischen prunkvollem Palast und gesellschaftlicher Debattenbühne
Das Humboldt Forum in Berlin bleibt umstritten – zwischen prunkvollem Anspruch und kultureller Distanz
Das Humboldt Forum in Berlin sorgt weiterhin für Debatten über seine Rolle und Architektur. Finanziert von vermögenden, konservativen Spendern, sollte der Bau preußischen Glanz beschwören, wirkt aber oft abgehoben von der lebendigen Berliner Kultur. Mit seinen weitläufigen Flächen, flughafenartigen Rolltreppen und betonlastigen Gängen tun sich viele Besucher schwer, das eigentliche kulturelle Programm zu finden.
Seit seiner Eröffnung beherbergt das Forum das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Gleichzeitig ist es zur Bühne für drängende gesellschaftliche Diskussionen geworden – von demokratischem Abbau bis zu globaler Ungerechtigkeit. Themen wie Raubkunst, Restitution und koloniale Gewalt erhielten durch das Forum neuen Auftrieb.
Künstlerinnen wie Sarah Ama Duah nutzen den Ort, um etablierte Perspektiven infrage zu stellen. In ihrer Performance to build to bury to remember behandelt sie Objekte als lebendige Wesen und stellt sich damit gegen die koloniale Erzählung. Doch trotz solcher Ansätze wirkt das Forum für viele weniger wie ein offener öffentlicher Raum als vielmehr wie ein erdrückender Palast.
Im vergangenen Jahr zogen die Ausstellungen rund 634.000 Besucher an. Dennoch gleicht der Besuch für manche einem unbeholfenen gesellschaftlichen Moment – als verbliebe man zu lange im falschen Raum einer Party und suche verzweifelt nach dem richtigen Gespräch. kommende Veranstaltungen, etwa eine Diskussion über einen verschwundenen brasilianischen Fluss, der heute unter einem Einkaufszentrum als Denkmal existiert, zeigen jedoch, wie sehr sich das Forum komplexen globalen Geschichten widmet.
Das Humboldt Forum bleibt ein Ort der Widersprüche. Es bewahrt bedeutende Sammlungen und bietet Raum für kritische Debatten, doch seine Architektur und Atmosphäre stehen oft im Konflikt mit seinen kulturellen Ambitionen. Sein Einfluss auf die Auseinandersetzung mit Kolonialismus und Restitution ist unbestritten – doch die Verbindung zum Publikum gelingt nur ungleichmäßig.
