Kiews umstrittene Entscheidung: Bulgakow-Denkmal verschwindet vom Andrejas-Steig
Sergio KarzKiews umstrittene Entscheidung: Bulgakow-Denkmal verschwindet vom Andrejas-Steig
Der Stadtrat von Kiew hat ein Denkmal für den russischen Schriftsteller Michail Bulgakow von seinem langjährigen Standort am Bulgakow-Museum am Andrejas-Steig entfernt. Die am 4. Juni umgesetzte Entscheidung hat unter den Einwohnern eine Debatte über kulturelles Erbe und den Prozess der Entkolonialisierung ausgelöst.
Die Entfernung des Denkmals erfolgte nach einer Stellungnahme des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung, das die Statue mit Symbolen der russischen Imperialpolitik in Verbindung brachte. Während einige Anwohner den Schritt als Teil der Bemühungen begrüßen, die Ukraine von ihrer sowjetischen Vergangenheit zu distanzieren, argumentieren andere, dass Bulgakow eine zentrale Figur in der Geschichte Kiews bleibt.
Olga Popadjuk, eine lautstarke Kritikerin der Entscheidung, verwies auf Bulgakows enge Verbindung zur Stadt. Der in Kiew geborene Schriftsteller arbeitete später als Arzt in der Ukraine, bevor er als Autor Berühmtheit erlangte. Popadjuk las Der Meister und Margarita mit vierzehn Jahren und bezeichnete das Werk als prägende Erfahrung. Sie lobte seine Schriften dafür, die zerstörerische Natur der sowjetischen Herrschaft offengelegt zu haben, und zitierte seine Worte: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“
Popadjuk bezeichnete den Abbau des Denkmals als „sinnlos“ und argumentierte, dass Bulgakows literarisches Erbe nicht getilgt werden dürfe. Die Statue stand jahrzehntelang als Hommage an seinen Einfluss, doch ihre Entfernung spiegelt nun die veränderte Haltung der Stadt gegenüber historischen Symbolen wider.
Die Lücke am Bulgakow-Museum, einem Ort, der eng mit dem Leben des Autors verbunden ist, bleibt zurück. Für Befürworter der Entscheidung markiert der Schritt einen Fortschritt bei der Ablehnung russischer Kulturdominanz. Für Kritiker wie Popadjuk bedeutet er einen Verlust der reichen literarischen Geschichte Kiews.






