Neues "Recht auf Reparatur": Mehr Nachhaltigkeit, aber höhere Kosten?
Gernot GertzNeues "Recht auf Reparatur": Mehr Nachhaltigkeit, aber höhere Kosten?
Eine neue „Recht auf Reparatur“-Verordnung soll die Instandsetzung defekter Elektro- und Haushaltsgeräte erleichtern. Sie verpflichtet Hersteller, auch nach Ablauf der Garantiezeit Reparaturen zu fairen Preisen anzubieten. Zudem verlängert sich die Garantie um ein weiteres Jahr, wenn das Gerät während der ursprünglichen Garantiezeit repariert wurde.
Ziel der Regelung ist es, durch bessere Reparaturmöglichkeiten die Nachhaltigkeit zu fördern. Dennoch gibt es Bedenken wegen steigender Kosten. Eine aktuelle Studie zeigt, dass bereits 70 Prozent der Verbraucher Reparaturen im Vergleich zum Neukauf für zu teuer halten. Für 25 Prozent der Befragten ist der Preis sogar das entscheidende Kriterium bei der Frage, ob sie ein Gerät reparieren lassen oder nicht.
Hersteller und Händler blicken mit gemischten Erwartungen auf die neue Regelung. Nur 37 Prozent der Hersteller gehen davon aus, dass die Preise für Neugeräte steigen werden, um die Reparaturkosten zu decken. Gleichzeitig rechnen 63 Prozent damit, dass Reparaturen für Kunden teurer werden – bedingt durch höhere Personalkosten und Lagerhaltung für Ersatzteile.
Auch die Händler stehen vor Herausforderungen: 74 Prozent geben an, mit ihrer aktuellen Personaldecke nicht in der Lage zu sein, ein höheres Reparaturaufkommen zu bewältigen. Zudem erwarten 68 Prozent steigende Reparaturkosten aufgrund teurerer Ersatzteile und Arbeitsleistungen. Weitere 62 Prozent befürchten, dass die Preise für Neugeräte angehoben werden müssen, um die zusätzlichen Reparaturausgaben auszugleichen.
Die Studie warnt, dass die Richtlinie zu höheren Reparaturkosten führen könnte – und damit ihr eigenes Nachhaltigkeitsziel untergraben würde. Hersteller, Händler und Verbraucher müssen sich gleichermaßen auf mögliche finanzielle Auswirkungen einstellen, sobald die Verordnung in Kraft tritt.
