Nina Warken plant Praxisgebühr oder Bonus für Hausarzt-Treue – was bringt mehr?
Gernot GertzNina Warken plant Praxisgebühr oder Bonus für Hausarzt-Treue – was bringt mehr?
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken prüft neue Wege, um die Belastung des Gesundheitssystems zu verringern. Ein Vorschlag sieht vor, dass Patientinnen und Patienten eine geringe Gebühr für Arztbesuche zahlen. Eine alternative Idee belohnt dagegen jene, die sich an den Hausarztweg halten.
Die Debatte reiht sich in jahrelange Diskussionen ein, wie die Nachfrage in der Allgemeinmedizin gesteuert werden kann. Aktuelle Pläne von Ärzteverbänden und Politikern setzen sowohl auf Boni als auch auf Gebühren, um lange Wartezeiten zu verkürzen.
Seit zwei Jahren wird in Deutschland über Anreizsysteme für Hausärztinnen und Hausärzte diskutiert. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte sich für leistungs- und qualitätsabhängige Prämien eingesetzt, die mit den Krankenkassen ausgehandelt wurden – mit dem Ziel, die Versorgungsqualität zu verbessern.
Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach schlug Anfang 2026 eine Praxisgebühr von 5 bis 10 Euro pro Besuch vor. Damit wollte er Überlastungen in den Praxen verringern und den Zugang zu Fachärzten beschleunigen. Kritiker hielten jedoch dagegen, dass weder Boni noch Gebühren die tiefer liegende Krise in der hausärztlichen Versorgung lösen würden.
Nun bringt Ministerin Warken die Idee einer Praxisgebühr wieder ins Spiel. Gleichzeitig wirbt sie für eine alternative: einen Bonus für Patientinnen und Patienten, die den Hausarztweg einhalten. Damit soll erreicht werden, dass Menschen zunächst ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt aufsuchen, statt direkt zu Fachärzten zu gehen.
Warken betont, dass sie kein Zwei-Klassen-System schaffen wolle. Jede Veränderung müsse vermeiden, dass besonders bedürftige Patientinnen und Patienten benachteiligt werden.
Die Vorschläge zielen darauf ab, Wartezeiten auf Facharzttermine zu verkürzen, indem die hausärztliche Versorgung gestärkt wird. Sollte die Praxisgebühr oder das Bonussystem eingeführt werden, wäre dies ein Kurswechsel in der Steuerung der Nachfrage im deutschen Gesundheitswesen. Die Regierung muss nun entscheiden, welcher Ansatz – oder welche Kombination – am besten wirkt, ohne neue Ungleichheiten zu schaffen.
Will history repeat for Germany's healthcare fee plan?
Past attempts to charge patients for primary care in Germany faced significant challenges. 10 Euro quarterly fees from 2004-2012 caused high administrative costs and reduced doctor visits, raising concerns about missed care. Critics now warn similar issues could resurface. Oliver Blatt, head of the GKV-Spitzenverband, argues financial burdens should be a last resort, prioritising structural reforms like digitalisation and clinic specialisation instead.






