NRW führt Landarztquote ein – doch Westfalen-Lippe bleibt Hausarzt-Wüste
Sergio KarzHausarztmangel in NRW: Streit um effektive Maßnahmen - NRW führt Landarztquote ein – doch Westfalen-Lippe bleibt Hausarzt-Wüste
Nordrhein-Westfalen (NRW) ist das erste deutsche Bundesland, das eine Landarztquote einführt, um dem akuten Mangel an Hausärzten entgegenzuwirken. Im Rahmen des Programms werden 1.100 Medizinstudierende eine Facharztausbildung in Allgemeinmedizin absolvieren und sich verpflichten, nach ihrem Abschluss ein Jahrzehnt lang in unterversorgten Regionen zu arbeiten. Unterdessen zeigen aktuelle Zahlen, dass Westfalen-Lippe bundesweit die geringste Hausarztquote pro Einwohner aufweist – eine Entwicklung, die die politische Debatte über die Gesundheitsversorgung neu entfacht.
Laut aktuellem Bundesärzteregister liegt Westfalen-Lippe beim Hausarzt-Einwohner-Verhältnis auf dem letzten Platz in Deutschland. Mit nur 61 Allgemeinmedizinern pro 100.000 Einwohner ist die Region am stärksten von der Unterversorgung betroffen. Die SPD übt scharfe Kritik an Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU): Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Lisa-Kristin Kapteinat bezeichnete die Zahlen als "vernichtendes Zeugnis" für seine Amtszeit.
Laumann wies die Vorwürfe der Untätigkeit zurück und betonte, dass die Lösung des Hausarztmangels langfristige Planungen erfordere, die über eine einzelne Legislaturperiode hinausgingen. Er verwies auf bestehende Maßnahmen, darunter ein 2009 gestartetes Aktionsprogramm, das bereits zur Gründung von über 1.000 neuen Praxen in unterversorgten NRW-Gebieten geführt habe – wobei 80 Prozent der Fördergelder nach Westfalen-Lippe geflossen seien.
Die neue Landarztquote stellt jedoch einen direkteren Ansatz dar. Die Studierenden, die sich für das Programm entscheiden, werden nach Abschluss ihrer Ausbildung ab 2030 in den Praxen tätig sein. Der CDU-Abgeordnete Daniel Hagemeier wies die SPD-Kritik als unbegründet zurück und bezeichnete deren Forderungen nach einer Debatte als "Monats-Tor des Monats". Wie viele Hausärzte genau benötigt werden, um die Versorgungslücken zu schließen, bleibt zwar unklar – der Mangel selbst ist jedoch unbestritten.
Die ersten Ärztinnen und Ärzte der NRW-Landarztquote werden 2030 ihre Tätigkeit aufnehmen, während Westfalen-Lippe weiterhin mit den bundesweit größten Hausarzt-Engpässen kämpft. Die politischen Auseinandersetzungen über die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen halten an, doch die Quote ist der bisher konkreteste Versuch des Landes, die langfristige medizinische Grundversorgung zu sichern. Ohne präzise Daten zu den regionalen Defiziten bleibt das volle Ausmaß der Herausforderung jedoch ungewiss.






