Pflegekosten explodieren: Warum Familien an häuslicher Langzeitpflege verzweifeln
Gernot GertzPflegekosten explodieren: Warum Familien an häuslicher Langzeitpflege verzweifeln
Rund 5,7 Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit auf Langzeitpflege angewiesen – der Großteil von ihnen wird zu Hause versorgt. Zwar fördert die Regierung die häusliche Pflege, doch steigende Kosten belasten die Familien zunehmend. Eine geplante Reform soll bis Ende 2026 die Bezahlbarkeit verbessern.
Nach deutschem Recht hat die häusliche Pflege gemäß Paragraf 3 des Elften Buchs Sozialgesetzbuch (SGB XI) Vorrang. Von den Pflegebedürftigen leben 85,9 Prozent in den eigenen vier Wänden, mehr als die Hälfte wird ausschließlich von Angehörigen betreut. Betroffene können zwischen stationärer Pflege, familiärer Unterstützung, professionellen Pflegediensten oder einer Kombination dieser Optionen wählen.
Die Kosten für die häusliche Pflege variieren stark. Schätzungen zufolge liegen die monatlichen Eigenanteile zwischen 340 und 7.441 Euro, im Median bei 2.085 Euro. Anders als in Pflegeheimen sinken diese Ausgaben mit der Zeit nicht – selbst wenn der Pflegebedarf weiter steigt. Wie Notburga Ott, Professorin an der Ruhr-Universität Bochum, herausfand, können schwerstpflegebedürftige Menschen zu Hause mit persönlichen Zuzahlungen von über 7.000 Euro pro Monat konfrontiert sein.
Zum Vergleich: Heimbewohner zahlten im Januar 2026 im ersten Jahr durchschnittlich mehr als 3.200 Euro monatlich. Der Bundesverband wir pflegen e.V. kritisiert, dass die unbezahlt geleistete Arbeit von Angehörigen kaum gewürdigt wird und die finanzielle Belastung für die Haushalte immer größer wird.
Die Bundesregierung will die Pflegereform bis Ende 2026 abschließen, um die Nachhaltigkeit des Systems zu stärken. Aktuelle Daten zeigen, wie stark Familien – besonders bei der häuslichen Langzeitpflege – finanziell belastet sind. Die Reform muss sowohl die professionelle als auch die informelle Pflege entlasten, um den Druck auf die Betroffenen zu verringern.