RWE plant 45-Kilometer-Pipeline für Flutung des Tagebaus Hambach – doch Kritik wächst
Gernot GertzRWE plant 45-Kilometer-Pipeline für Flutung des Tagebaus Hambach – doch Kritik wächst
Ein großes Vorhaben zur Flutung ehemaliger Braunkohletagebaue mit Rheinwasser nimmt Gestalt an – trotz wachsender Kritik. Das von dem Energiekonzern RWE geführte Projekt sieht den Bau einer 45 Kilometer langen Pipeline vor, um ab 2030 das Tagebaurestloch Hambach zu füllen. Befürworter preisen es als Schritt hin zu Tourismus und ökologischer Erneuerung, doch Umweltschützer und lokale Aktivisten stellen Sicherheit und langfristige Folgen infrage.
Im Januar 2026 erhielt das Pipeline-Projekt eine teilweise Genehmigung, als die Bezirksregierung Arnsberg den Bau freigab. Eine entscheidende Erlaubnis – die eigentliche Einleitung von Rheinwasser in den Tagebau Hambach – steht jedoch noch aus. Behörden rechnen damit, dass das Genehmigungsverfahren im September 2026 beginnt; der weitere Zeitplan bleibt damit ungewiss.
Die Pipeline selbst wird 45 Kilometer lang sein und aus 10.000 riesigen Rohren bestehen, von denen einige einen Durchmesser von 2,2 Metern erreichen. RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik bezeichnet das Vorhaben als Symbol für "Verlässlichkeit und Zukunftschancen" und verspricht neue Touristenattraktionen sowie Lebensräume für Wildtiere. Doch Umweltverbände wie der BUND warnen, dass die Wasserqualität des Rheins das Grundwasser gefährden könnte. Kritiker wie Antje Bussberg von der Initiative Alle Dörfer bleiben zweifeln zudem an der Sicherheit der späteren Freizeitnutzung in den gefluteten Gruben.
Über Hambach hinaus erstreckt sich der Plan auf weitere Tagebaue: Bis 2036 soll die Grube Garzweiler mit Rheinwasser geflutet werden, der Tagebau Inden erhält ab 2030 Wasser aus der Rur. Gleichzeitig sorgt Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region für zusätzliche Bedenken, da dessen Kühlsysteme enorme Wassermengen benötigen – was die lokalen Ressourcen weiter belasten könnte.
Andreas Büttgen von der Bürgerinitiative Bürger für Bürger wirft RWE vor, eine "Premium-Strategie" zu verfolgen, die es dem Konzern ermöglichen könnte, sich bei Schwierigkeiten aus dem Projekt zurückzuziehen. Er fordert strengere Wasseraufbereitung, unabhängige wissenschaftliche Begleitung und mehr öffentlichen Widerstand, bevor der Rhein umgeleitet wird.
Der Pipeline-Bau markiert die erste Phase eines langfristigen Plans, aus ehemaligen Tagebauen Seen für Tourismus und Naturschutz zu schaffen. Doch mit noch ausstehenden behördlichen Hürden und umstrittenen Umweltrisiken bleibt die Zukunft des Projekts ungewiss. Bei Genehmigung könnte die Flutung in Hambach 2030 beginnen, gefolgt von Garzweiler und Inden in späteren Jahren – vorausgesetzt, die Fragen zu Wasserqualität und -verfügbarkeit werden geklärt.






