Streit um künstlerischen Leiter: Warum das Neue Theater Senftenberg Daniel Ris fallen lässt
Elsa SteyStreit um künstlerischen Leiter: Warum das Neue Theater Senftenberg Daniel Ris fallen lässt
Das Neue Theater Senftenberg erlebt eine Renaissance in der Region – ähnlich wie in seinen DDR-Glanzzeiten. Doch hinter den Kulissen gibt es Streit um den künstlerischen Leiter Daniel Ris. Sein bis 2027 laufender Vertrag wurde im März 2023 überraschend vorzeitig beendet – ohne dass klare Gründe genannt wurden.
Vor fünf Jahren übernahm Ris die künstlerische Leitung. Seither hat er die Finanzen des Theaters gestärkt, indem er die Eigenmittel erhöhte und mehr Zuschauer anlockte. Seine mutigen Saisoneröffnungen an historischen Orten wie der Niederlausitz-Halle sorgten für Gesprächsstoff – etwa eine Inszenierung, die die DDR-Sportkultur parodierte und dabei Doping sowie blinden Leistungskult thematisierte. Die Mischung aus scharfer Debatte und Unterhaltung hinterließ einen bleibenden Eindruck.
Trotz dieser Erfolge wurde Ris' Vertrag nicht verlängert. Über die Gründe wird spekuliert: Manche führen es auf seine offene Haltung zurück, etwa seine öffentliche Positionierung gegen rechtsextreme Gruppen. Andere verweisen auf seine markante Persönlichkeit oder vage Vorwürfe mangelnder Führungskompetenz. Unbestätigten Behauptungen zufolge soll es sogar um angebliche finanzielle Schäden in Höhe von 250.000 Euro gehen. Doch Senftenbergs Oberbürgermeister Andreas Pfeiffer (CDU) betont, an Ris' künstlerischer Kompetenz gebe es keine Zweifel.
Nun wird über die künftige Struktur des Theaters diskutiert. Eine zentrale Frage ist, ob die Rollen des künstlerischen Leiters und des kaufmännischen Geschäftsführers getrennt werden sollen – ein Modell, das andernorts bereits üblich ist. Ris, der sich durch die faktische Entlassung brüskiert fühlt, konzentriert sich zwar auf seine vierte Spielzeit, lotet aber gleichzeitig neue berufliche Wege aus. Kürzlich hatte er sein erstes Vorstellungsgespräch seit der Entscheidung.
Künstlerisch blüht das Neue Theater Senftenberg unter Ris weiterhin auf, doch seine langfristige Zukunft bleibt ungewiss. Die Debatte um Führungsfragen und finanzielle Vorwürfe ist noch nicht abgeschlossen. Gleichzeitig zeigt der wachsende Ruf des Hauses, dass seine kulturelle Strahlkraft größer ist denn je.






