Akademische Brücken brechen: DAAD verlässt Russland, US-Forscher fliehen nach Europa
Hans-Werner RöhrichtAkademische Brücken brechen: DAAD verlässt Russland, US-Forscher fliehen nach Europa
Die akademischen Beziehungen zwischen Deutschland, Russland und den USA durchlaufen tiefgreifende Veränderungen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat seine Aktivitäten in Russland eingestellt, nachdem Moskau die Organisation als "unerwünschte Vereinigung" eingestuft hatte. Gleichzeitig richten US-Forschende ihren Blick vermehrt auf Europa, da die Förderung der Klimaforschung in den USA unter der zweiten Amtszeit von Donald Trump drastisch gekürzt wird.
Der DAAD gab die Schließung seines Moskauer Büros sowie des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses bekannt. Die russischen Behörden hatten die Organisation als "unerwünscht" deklariert – jede Zusammenarbeit mit ihr kann nun für russische Staatsbürger strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee räumte die turbulenten Entwicklungen ein und erklärte: "Aktuell gibt es viele Bewegungen."
In den USA hat der politische Kurswechsel nach Trumps Wiederwahl 2024 weitreichende Änderungen in der Forschungsförderung ausgelöst. Bis Mitte 2025 wurden die Mittel für Klimaforschungsprojekte der National Science Foundation (NSF) und des Energieministeriums (DOE) um 25 Prozent gekürzt. Eliteuniversitäten wie Harvard, Stanford und Princeton verzeichneten einen Rückgang bei Drittmittelzuwendungen um 15 bis 20 Prozent – bedingt durch strengere Prüfungen von Diversitätsprogrammen und die staatliche Fokussierung auf Energiesouveränität. Finanzdaten aus dem frühen Jahr 2026 bestätigen diesen Trend.
In der Folge suchen US-Wissenschaftler:innen vermehrt nach Möglichkeiten in Europa. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und die Max-Planck-Gesellschaft verzeichnen eine deutliche Zunahme an Anfragen von amerikanischen Forschenden. Gleichzeitig sinkt das Interesse deutscher Studierender an einem Aufenthalt in den USA: Die Bewerbungen von Doktorand:innen und Bachelorstudierenden gingen um etwa zehn Prozent zurück. Dagegen haben sich die Anträge auf DAAD-Stipendien für Masterstudiengänge in Deutschland mehr als verdoppelt.
Der Rückzug des DAAD aus Russland markiert das Ende einer langjährigen akademischen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. In den USA treiben gekürzte Fördergelder und veränderte Prioritäten Forschende ins Ausland, während deutsche Einrichtungen eine wachsende Nachfrage erleben. Diese Entwicklungen spiegeln die größeren Verschiebungen in der globalen akademischen und politischen Landschaft wider.
DAAD chief's earlier stance on US-German academic ties
DAAD President Joybrato Mukherjee previously highlighted Germany's role as the second most important host country for international researchers after the US. "We must support our American partners during these challenges," he stated in 2025, emphasizing solidarity amid Trump-era science funding cuts. Recent data shows DAAD master's applications doubled in 2026, reflecting shifting academic priorities.






