Digitale Souveränität: Unternehmen scheitern an der Umsetzung trotz hoher Priorität
Gernot GertzDigitale Souveränität: Unternehmen scheitern an der Umsetzung trotz hoher Priorität
Eine neue Studie offenbart eine deutliche Lücke zwischen der Bedeutung, die Unternehmen der digitalen Souveränität beimessen, und ihren tatsächlichen Bemühungen, diese zu erreichen. Der "Digitale Souveränitätsindex" (DSI), erstellt von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute, zeigt: Zwar erkennen die meisten Firmen den Wert an, doch nur wenige verfügen über konkrete Pläne zur Umsetzung.
Laut der Umfrage halten 92 Prozent der Befragten digitale Souveränität für wichtig. Dennoch verfügt nur jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) über eine dedizierte Strategie, und lediglich 13 Prozent binden das Thema in ihre übergreifende Unternehmensplanung ein. Die Verantwortung liegt häufig bei den IT-Abteilungen – 46 Prozent der Firmen überlassen es allein ihnen, wobei der Fokus meist auf Cloud-Diensten und Sicherheit liegt.
Eine Aufsicht auf Vorstandsebene bleibt selten: Nur 25 Prozent der Unternehmen weisen die Thematik der Führungsebene zu. Gleichzeitig setzen über 60 Prozent bei kritischen Technologien wie Cloud-Services, Software und KI auf nicht-europäische Anbieter. Trotz dieser Abhängigkeit sind 80 Prozent der Unternehmen bereit, für souveräne Lösungen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt 17 Prozent mehr.
Die Studie erfasste zudem den aktuellen und den angestrebten Souveränitätsgrad. Im deutschen Wirtschaftsraum liegt der durchschnittliche Reifegrad bei 65,8 Prozent, während die Unternehmen ein Optimum von 77,8 Prozent anstreben.
Die Ergebnisse verdeutlichen die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Zwar erkennen Unternehmen die Notwendigkeit digitaler Souveränität an, doch fehlen meist strukturierte Ansätze und klare Verantwortlichkeiten in der Führungsetage. Die Investitionsbereitschaft in souveräne Alternativen deutet auf Veränderungspotenzial hin – doch die Abhängigkeit von externen Anbietern bleibt vorerst hoch.






