FDP in der Krise: Interner Machtkampf nach Wahlniederlagen verschärft sich
Elsa SteyFDP in der Krise: Interner Machtkampf nach Wahlniederlagen verschärft sich
Die Freie Demokratische Partei (FDP) steht unter wachsendem internen Druck, nachdem sie eine Reihe von Wahlniederlagen einstecken musste. Die Partei, die 2017 unter der Führung von Christian Lindner ein beeindruckendes Comeback feierte, sieht sich nun – wie ein hochrangiges Parteimitglied es nennt – in einer "existenzbedrohenden Krise". Besonders die jüngsten Verluste in Baden-Württemberg haben die Forderungen nach einem Wechsel an der Spitze verschärft.
Der Aufstieg der FDP begann 2017 in Nordrhein-Westfalen (NRW), als Lindner die Partei zu einem starken Ergebnis bei der Landtagswahl führte. Noch im selben Jahr zog die FDP mit 10,7 Prozent der Stimmen wieder in den Bundestag ein – ein Wendepunkt nach Jahren des Niedergangs. Doch seit der Bundestagswahl 2021 hat sich das Blatt gewendet: Die Umfragewerte sind schlecht, und bei Regionalwahlen schneidet die Partei enttäuschend ab.
Henning Höne, Landesvorsitzender der FDP in NRW und seit Mai 2025 stellvertretender Bundesvorsitzender, ist zu einer prägenden Stimme in der aktuellen Debatte geworden. In einem jüngsten Interview weigerte er sich, den aktuellen Bundesvorsitzenden Christian Dürr zu unterstützen – ein deutliches Zeichen für die Unzufriedenheit in den Reihen. Höne argumentierte zudem, dass ein bloßer Wechsel an der Spitze die tiefer liegenden Probleme der Partei nicht lösen werde.
Sein Einfluss hat in den vergangenen Monaten zugenommen. Im Mai 2025 begrüßte er ein Urteil des NRW-Verfassungsgerichts gegen Änderungen bei der Sitzverteilung, eine Entscheidung, die die Position der FDP im Land stärkte. Einen Monat später traf er als Fraktionsvorsitzender mit Wirtschaftsvertretern zusammen und festigte so seine Rolle als wichtiger Vermittler. Nach dem schlechten Abschneiden der FDP in Baden-Württemberg Anfang 2026 übt er offen Kritik an der Ausrichtung der Partei.
Neben Höne werden weitere Namen als mögliche Nachfolger Dürrs gehandelt, darunter Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Wolfgang Kubicki, Bijan Djir-Sarai und Linda Teuteberg. Der nächste Bundesparteitag, der für den 30. und 31. Mai 2026 in Berlin geplant ist, könnte zu einem entscheidenden Moment für die Zukunft der FDP werden.
Die Führung der FDP bleibt unter Beobachtung, während sich die Partei auf ihren anstehenden Parteitag vorbereitet. Mit Höne und anderen, die Reformen vorantreiben, werden die kommenden Monate zeigen, ob es der Partei gelingt, wieder Tritt zu fassen. Bis dahin prägen interne Konflikte und Wahlniederlagen die Diskussion über den künftigen Kurs.