16 March 2026, 00:38

Gelsenkirchens teures Erbe: Eine Million Tonnen illegaler Müll bedroht die Stadtkasse

Ein Plakat, das Hannover, Deutschland bewirbt und ein paar Gebäude, Bäume und Text enthält, der Informationen über die Stadt bereitstellt.

Gelsenkirchens teures Erbe: Eine Million Tonnen illegaler Müll bedroht die Stadtkasse

Ein riesiger illegaler Mülldeponiekomplex in der Nähe des Rhein-Herne-Kanals in Gelsenkirchen stellt die Stadt vor eine teure Altlastensanierung. Recherchen von CORRECTIV zeigen, dass sich dort seit 1993 über eine Million Tonnen Abfall angesammelt haben – darunter Bauschutt, Erdaushub und gefährliche Stoffe. Die seit acht Jahren verlassene Fläche belastet die Stadt nun mit finanziellen und ökologischen Folgen in zweistelliger Millionenhöhe.

Im Mittelpunkt des Skandals steht ein Gelände im Gelsenkirchener Stadtteil Grimberg, wo jahrzehntelang illegal Müll abgelagert wurde. Aus Unterlagen geht hervor, dass die Stadt selbst mehr als 500.000 Tonnen Material dorthin verbracht hat – als einzige Kommune im Ruhrgebiet ist sie damit direkt mit der Deponie in Verbindung zu bringen. Weitere Abfälle könnten aus Nachbarstädten oder der regionalen Industrie stammen.

Das Problem verschärfte sich selbst noch, als die verantwortlichen Firmen, die einem Unternehmer namens Becker gehörten, aktiv waren. Umweltbehörden griffen zu spät ein, sodass der Müllberg auf etwa 40.000 Lkw-Ladungen anwuchs. Nach dem Kollaps von Beckers Unternehmen blieb das Gelände schließlich sich selbst überlassen.

Gelsenkirchen geht nun juristisch gegen die Verursacher und Lieferanten des Abfalls vor. Das städtische Umweltamt stützt sich dabei auf das Kreislaufwirtschaftsgesetz, um die Erzeuger der Abfälle zur Verantwortung zu ziehen. So muss etwa der Entsorgungsbetrieb der Stadt Herne für rund 11.000 Tonnen des illegalen Mülls geradestehen.

Die Kosten für die Sanierung dürften sich auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag belaufen. Der kommunale Entsorgungsdienst Gelsendienste hat bereits knapp 9,5 Millionen Euro für einen Teil der Rechnung zurückgestellt.

Die illegale Müllablagerung hinterlässt Gelsenkirchen eine langfristige finanzielle und logistische Herausforderung. Während die Stadt nun versucht, über Umweltgesetze die Verantwortlichen zur Kasse zu bitten, offenbart der Fall auch eklatante Versäumnisse in der Aufsicht, die das unkontrollierte Wachstum der Deponie über Jahre ermöglichten.

AKTUALISIERUNG

Gelsenkirchens illegaler Müllentsorgung jetzt auf 70 Millionen Euro geschätzt

Das Umweltamt Gelsenkirchen hat offiziell bestätigt, dass die Reinigung der illegalen Müllhalde Grimberg mindestens 70 Millionen Euro kosten wird, was eine deutliche Erhöhung gegenüber früheren Schätzungen darstellt. Diese Zahl, die dem zuständigen Ausschuss mitgeteilt wurde, spiegelt das volle Ausmaß der Krise wider. Earlier reports mentioned a 9.5 million euro provision, but the new total highlights the financial burden now facing the city. Authorities warn the final cost could be significantly higher.