Milo Rau inszeniert in Hamburg einen "Prozess gegen Deutschland" über die AfD
Gernot GertzRegisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert in Hamburg einen "Prozess gegen Deutschland" über die AfD
Regisseur Milo Rau bringt sein neues Theaterprojekt nach Deutschland
Der Schweizer Regisseur Milo Rau wird in diesem Monat sein jüngstes theatralisches Experiment erstmals in Deutschland präsentieren: Im Rahmen der Hamburger Lessing-Tage findet vom 23. bis 25. November am Thalia Theater ein dreitägiger "Prozess gegen Deutschland" statt, in dem diskutiert wird, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte. Das Projekt markiert Raus erste deutsche Inszenierung seines markanten "Tribunal-Theaters", das reale juristische Debatten mit Performance-Kunst verbindet.
Der "Prozess gegen Deutschland" bildet den Abschluss des diesjährigen Festivals. Statt Schauspieler:innen werden Jurist:innen und Rechtsexpert:innen die fiktiven Verhandlungen leiten, unter dem Vorsitz der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin als Richterin. Weltweit kann das Publikum die Veranstaltung per Livestream auf der Website des Theaters verfolgen.
Raus Ansatz verbindet dokumentarische Realität mit künstlerischer Intervention – eine Methode, die er in früheren Projekten verfeinert hat. Sein "Kongo-Tribunal" (2015) inszenierte etwa ein Bürgerforum zur Ausbeutung des Kongo und nutzte echte Zeugenaussagen sowie Reenactments in Kinshasa, Bukavu, Lissabon und Berlin. "Breiviks Erklärung" (2014) rekonstruierte die Anschläge von Norwegen 2011 wortgetreu anhand des Manifests des Attentäters und Berichten von Überlebenden. Frühere Arbeiten wie "Die Moskauer Prozesse" (2013) setzten Stalins Säuberungen mit russischen Aktivist:innen in Szene, während "Hassrede" (2016) die Gewalt nach der Apartheid in Kapstadt durch Feldforschung und Publikumsteilnahme aufarbeitete.
Die Hamburger Lessing-Tage, 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründet, werden in diesem Jahr von Matthias Lilienthal kuratiert. Als designierter künstlerischer Leiter der Berliner Volksbühne wählte Lilienthal Raus Produktion als zentrales Element des Festivals, das sich auf politische und rechtliche Themen konzentriert.
Der "Prozess gegen Deutschland" stellt die Zukunft der AfD auf theatralische Weise zur Debatte und prüft anhand realer Rechtsgrundlagen die Möglichkeit eines Parteiverbots. Mit einer Mischung aus Jurist:innen, Livestream und Raus provokantem Stil soll die Veranstaltung eine öffentliche Diskussion anregen. Der Festivalabschluss steht damit in der Tradition, Kunst mit drängenden gesellschaftlichen Fragen zu verbinden.
Urteil der Jury löst Debatte um AfD-Zukunft aus
Der Schauspielprozess endete am 15. Februar 2026 mit einer geteilten Jury-Entscheidung. Wichtige Erkenntnisse sind:
- 5:2 Stimmen für die Feststellung, dass AfD die Menschenwürde verletzt
- 5:2 Stimmen für die Forderung, dass Verfassungsorgane eine Verbotsprüfung durchführen
- 5:2 Stimmen für den Ausschluss von AfD aus der staatlichen Finanzierung Dieser Beschluss markiert eine wichtige Eskalation in der öffentlichen Diskussion über die Legalität der Partei.