17 June 2026, 17:14

Wie der Ford-Streik 1973 Köln veränderte – ein Buch über migrantische Kämpfe und Gerechtigkeit

"Der Streik hat mir als junger Mensch Stärke verliehen"

Wie der Ford-Streik 1973 Köln veränderte – ein Buch über migrantische Kämpfe und Gerechtigkeit

Ein neues Buch untersucht den Ford-Streik von 1973 in Köln und seine Bedeutung für die Rechte von Migrant:innen in der Arbeitswelt Deutschlands. Herausgegeben von Nihat Öztürk, Nuria Cafaro, Bernd Hüttner und Florian Weis wird das Ereignis als Wendepunkt für die Selbstermächtigung von Migrant:innen analysiert. Der Titel „Der Streik half mir, als junger Mensch Kraft zu entwickeln. Migrantische Kämpfe gegen Ausbeutung und Rassismus“ spiegelt den Fokus auf historische und aktuelle Arbeitskämpfe wider.

Am 30. August 1973 beendete die Polizei gemeinsam mit Werksschutz gewaltsam einen Arbeitskonflikt im Ford-Werk Köln. Der Streik wurde maßgeblich von migrantischen Beschäftigten getragen, die bessere Arbeitsbedingungen und einen zusätzlichen D-Mark-Lohn pro Stunde forderten. Streikende berichteten zudem von Schikanen durch Vorarbeiter und einige deutsche Kollegen – teilweise eskalierte die Gewalt so weit, dass Angreifer sogar gemeinsam mit der Polizei gegen sie vorgingen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Das Buch präsentiert unterschiedliche Bewertungen der Rolle des Betriebsrats und der IG Metall während des Streiks. Ehemalige Gewerkschaftsvertreter wie Witich Rossmann und Nihat Öztürk, beide ehemalige IG-Metall-Mitglieder, steuern konträre Perspektiven zur Gewerkschaftsbeteiligung bei. Zudem dokumentiert es weitere erfolgreiche, von Migrant:innen geführte Streiks des Jahres 1973, etwa bei Pierburg in Neuss oder Hella in Lippstadt.

Über die historische Aufarbeitung hinaus verbindet das Buch die Kämpfe von damals mit heutigen Konflikten – etwa denen von Fahrradkurieren und anderen migrantischen Arbeitskräften. Der Ford-Streik erfährt dabei im Rahmen antirassistischer Debatten neue Aufmerksamkeit und unterstreicht seinen anhaltenden Einfluss auf Arbeits- und soziale Gerechtigkeitsbewegungen.

Die Veröffentlichung hebt den Ford-Streik als prägenden Moment für die Organisierung von migrantischen Arbeitskräften hervor. Gleichzeitig hält sie die anhaltenden Diskussionen über die Rolle der Gewerkschaften und das Erbe dieser Proteste fest. Die Veröffentlichung des Buches zeigt: Die Kämpfe migrantischer Arbeiter:innen in Deutschland sind nach wie vor von großer Aktualität.

Quelle